Lohn-Preis-Spirale ist ein verbaler Taschenspielertrick der Arbeitgeberseite

Dass die Arbeitgeberseite Tarifforderungen der Gewerkschaften nicht applaudierend begrüßt, liegt in der Natur der Sache. In Anbetracht der anhaltenden Preisspirale, die die Geldbeutel der Beschäftigten massiv unter Druck setzt und den Wohlstand von Millionen von Arbeitnehmer*innen frisst, greifen die Arbeitgeberverbände jedoch tief in die Mottenkiste, um die gewerkschaftliche Forderung nach einer tabellenwirksamen Entgelterhöhung zu diskreditieren: Das Lohn-Preis-Gespenst greife um sich.

Bereits vor dem schrecklichen Krieg in der Ukraine haben Arbeitgeberverbände und arbeitgebernahe Ökonomen vor einer Lohn-Preis-Spirale gewarnt und die Gewerkschaften zur Mäßigung aufgerufen. Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall und Verhandlungsführer der Metall- und Elektroindustrie sowie bei Volkswagen, erklärt: „Warnungen vor einer angeblichen »Lohn-Preis-Spirale« sind also ein Narrativ, dem sich die Arbeitgeber gerne bedienen, das aber eigentlich in das Reich der Fabeln und Märchen gehört! Es ist ein Mythos, der mit einem impliziten Unterton uns Gewerkschaften und vor allem den Beschäftigten die Schuld an der Inflation geben soll. Das ist natürlich Nonsens!“

Man sehe, dass die Inflation derzeit völlig entkoppelt von Lohnerhöhungen ist. „Ich meine, wir starten jetzt erst in die Verhandlungen, während die Teuerungsrate bereits schwindelerregende Höhen erreicht hat. Klar ist doch: Nicht die Löhne sind der Treiber der Inflation – im Übrigen hat genau das der Arbeitgeberpräsident Dulger auch – ob gewollt oder ungewollt – bestätigt! Also alleine semantisch ist es falsch von einer Lohn-Preis-Spirale zu reden, viel eher haben wir eine Gewinn-Preis-Spirale!“


Führende Ökonomen wie Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin, erklären die Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale für völlig unbegründet und unterstützen die Gewerkschaften in ihrer Forderung nach einer nachhaltigen Entgeltsteigerung. Auch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung sieht dafür keinerlei Anzeichen einer Lohn-Preis-Spirale. „Es ist schließlich der private Konsum, der maßgeblich den wirtschaftlichen Laden am Laufen hält. Diese Impulse bei den Beschäftigten zu kappen und den Beschäftigten die Kaufkraft zu entziehen, das wäre fatal!“, führt der Gewerkschafter aus.