Arbeitgeber meinen Streikrecht wäre für Geschichtsbücher - Beschäftigte zeigen richtige Antwort

Dass die Vorzeichen für die Tarifrunde 2022 der Metall- und Elektroindustrie drohten schwierig zu werden, war frühzeitig absehbar. Auch die unterschiedlichen Sichtweisen auf die aktuelle Situation zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern haben sich schon frühzeitig diametral abgezeichnet. Während die IG Metall die Beschäftigten und die Sicherung ihrer Kaufkraft im Blick hat, provozieren die Arbeitgeber an diversen Ecken und führen so eine Eskalation der Tarifrunde herbei. Während Gesamtmetall-Boss Wolf sich wiederholt vehement für eine Nullrunde und somit brutalen Realeinkommensverlust der Beschäftigten eingesetzt hat und fordert, dass Arbeitnehmer im Büro bei 18 Grad frieren sollen, offenbart der niedersächsische Arbeitgeberpräsident Niemsch im Interview mit der Braunschweiger Zeitung, dass seine Antwort auf die Probleme der Kolleginnen und Kollegen eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit sei. „Die Krone wird dem ganzen Spektakel noch vom niedersächsischen Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, Torsten Muscharski, aufgesetzt, der Warnstreiks in den Medien als Instrument des letzten Jahrhunderts bezeichnet!“, zeigt sich IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger entrüstet. 

 

Dabei weiß jeder, der einen Blick in die Geschichtsbücher geworfen hat: Streik war und ist das einzige und legitime Mittel für ArbeitnehmerInnen, um ihre Interessen gemeinsam durchzusetzen. Der Streik ist ein Grundrecht und das rechtmäßige Mittel zur Durchsetzung der Tarifforderung. „Das Recht auf Streik ist elementarer Bestandteil unsere freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Beschäftigte können sich jederzeit frei kollektiv organisieren und für ihre Interessen eintreten. Dass dies nun im 21. Jahrhundert nicht mehr gelten solle, ist schon eine seltsame Demokratieauffassung. Im Übrigen ist das Streikrecht in der Geschichte hart erkämpft worden, viele mussten dafür mit dem Leben bezahlen und ist nicht zuletzt eines von vielen Merkmalen, das uns von Diktaturen unterscheidet. In anderen Teilen der Welt wäre man für das Recht auf Ausübung eines solchen Freiheitsrechtes dankbar!“, so Gröger weiter.

 

Der Verhandlungsführer der IG Metall appelliert eindringlich an die Arbeitgeberseite: „Lenken Sie nicht weiter mit einer verbalen Eskalation von den notwendigen Lösungen in dieser Tarifrunde ab und zeigen sie endlich Courage in der Verhandlung! Es gab drei Verhandlungsrunden, an denen die Arbeitgeber hätten ein tragfähiges Angebot präsentieren können, diese Chance wollten sie wissentlich nicht nutzen. Einen letzten Termin auf den Tag des Auslaufens der Friedenspflicht zu legen, ist schon abenteuerlich. Wenn NiedersachsenMetall am Verhandlungstisch keine Lösung finden will, dann gibt es die entsprechende Antwort vor dem Werktor. Und genau das passiert seit Samstag, 00:01 Uhr. So war es im Übrigen im vergangenen Jahrhundert, so war es im letzten Jahr und so wird es auch heute, morgen und in den nächsten Jahrzehnten sein!“