2. Verhandlung in Sachsen-Anhalt endet nach 50 Minuten ohne Annäherung - Arbeitgeber auf der Bremse

Nachdem bereits am 19. September die erste Verhandlungsrunde zwischen IG Metall und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Sachsen- Anhalt e.V. (VME) ergebnislos endete, fand auch beim zweiten Zusammenkommen der Tarifvertragsparteien keine signifikante Annäherung statt. Bereits nach 50 Minuten verließ die Verhandlungskommission der Gewerkschaft empört den Verhandlungssaal, nachdem die Arbeitgeber erneut kein Angebot präsentieren wollten. IG Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger schildert, dass auch nach dem zweiten Anlauf die Differenzen schier unüberbrückbar scheinen und sich eine verfahrene Situation abzeichne. „Noch immer steht die Arbeitgeberseite mit beiden Füßen auf dem Bremspedal. Nachdem die Gegenseite bei der ersten Verhandlung faktisch eine Minusrunde für die Beschäftigten gefordert hat, indem sie über Arbeitszeitflexibilisierung und Dynamisierung von tariflichen Bausteinen diskutieren wollte, gab es am heutigen Tag einen erneuten Aufguss dessen. Es zeigt sich weiter eine riesige Kluft zwischen unserer Entgeltforderung und dem, was die Arbeitgeber überhaupt bereit sind zu besprechen. Statt Verantwortung für die Beschäftigten zu übernehmen, wollen die Arbeitgeber schlicht über Differenzierung, Variabilisierung und Flexibilisierung sprechen – sie bleiben in ungefähren Worthülsen, erscheinen mit leeren Händen am Verhandlungstisch und lassen die Kolleginnen und Kollegen im Regen stehen. Das ist nicht hinnehmbar!“, so Gröger.


Man werde nicht lange dem halbherzigen Verhandlungsprozess der Arbeitgeber zuschauen, warnt der Gewerkschafter. „Wenn zeitnah nicht ein Funken nachhaltiger Konstruktivität ersichtlich wird, der die Belastungen der Beschäftigten in der aktuellen Zeit in den Fokus nimmt, und die Arbeitgeberseite endlich in den richtigen Gang schaltet, wird das ein ungemütlicher und unbequemer Oktoberausklang werden. Das Ende der Friedenspflicht rückt näher und die Kolleginnen und Kollegen sind mit großer Entschlossenheit bereit zu zeigen, was sie von dem Auftreten der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde halten!“, fügt der Verhandlungsführer der IG Metall an.


Seit 2018 hat es in der Metall- und Elektroindustrie keine Anhebung der tariflichen Entgelttabellen gegeben. Die vergangenen Tarifabschlüsse waren von Pandemie-Krise, Beschäftigungssicherung und der Transformation in der Industrie geprägt. Zuletzt haben die Tarifparteien mit Rücksicht auf die unsichere Lage einen Abschluss bis zum September 2022 vereinbart und damit die Möglichkeit eröffnet, für 2022 noch eine Anpassung der moderaten Erhöhung (T-Geld) vorzunehmen. Ziel der aktuellen Tarifrunde ist es deshalb, mit einer kräftigen und dauerhaften Tariferhöhung der monatlichen Einkommen die Kaufkraft der Beschäftigten zu sichern und Teile des wirtschaftlichen Erfolgs umzuverteilen. Deshalb fordert die IG Metall für die anstehende Tarifbewegung eine dauerhafte Anhebung der monatlichen Tarifentgelte um 8 Prozent für eine Laufzeit von 12 Monaten. Mit dieser Forderung geht die IG Metall in die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, denn die Beschäftigten brauchen Entlastungen, auch mit Blick auf die 2023 nochmals steigenden Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise und die ohnehin schon hohe Inflation in diesem Jahr.


Mit dem 28. Oktober endet die Friedenspflicht, Warnstreiks sind also folglich ab dem 29. Oktober möglich. In der vergangenen Tarifrunde haben sich unter Pandemiebedingungen im IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mehr als 200.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie sowie bei Volkswagen an Warnstreiks beteiligt. Die Fortsetzung der Verhandlungen soll am 28. Oktober erfolgen.